April 2012
Wir haben uns für den Einsatz des Equiscan-Topographen und der Equiscan-Online-Plattform entschieden! So können wir Ihren kieffer-Sattel auf der Basis der Messwerte des Equiscan-Systems für die Anpassung durch den Sattler bereits in der Fertigung vorbereiten. Geschäftsführer Robert Götzenberger erklärt dazu: „Wir sehen den Topograph Pro als ein wertvolles Präzisionsinstrument zu einer verlässlichen Vermessung des Pferderückens beim Fachhändler vor Ort und zur Reproduktion der individuellen Messung in unserer Werkstatt. Gemeinsam mit unseren Fachhändlern sind wir damit in der Lage, bereits ab Werk einen optimal passenden Sattel zu liefern.”
Herr Rieser – wie lange sind Sie in der Sattlerei aktiv und wie sind Sie dazu gekommen?
Ich bin mit Pferden aufgewachsen und war eigentlich ein Quereinsteiger. Ich habe mir viele Gedanken über die Passform von Sätteln gemacht und befasse mich seit nun mehr als 25 Jahren mit der Konzeption und der idealen Passform von Sätteln.
In den 70-Jahren hatte ich bereits ein Messgerippe erfunden. Die Problematik dabei war, dass man keine Numerik hatte. Sobald man es wieder verstellt hatte, war die Form weg und man konnte die Messung nicht dokumentieren.
Im Jahr 2003 haben wir dann auf der Equitana dieses optische System vorgestellt, also ein Pferd zu scannen. Das war natürlich eine sehr genaue Geschichte. Die Problematik beim Scannen oder Lasern ist jedoch, dass ich zwar eine sehr genaue Dokumentation habe, diese aber nicht reproduzieren kann. Da kam die Idee mit dem Topographen Pro, der das über mechanische Rastergelenke auch ohne großen technischen Aufwand und ohne Strom möglich macht, was die Sattler auch sehr zu schätzen wissen. Und so kam der Topograph zu Stande.
Was ist das Besondere am Equiscan-Messsystem und welchen Vorteil hat der Reiter von der Vermessung seines Pferdes?
Es gibt ja einige Messungssysteme auf dem Markt, aber ein Alleinstellungsmerkmal von Equiscan bzw. dem Topographen ist, dass eben gerade für den Pferdebesitzer die Messung absolut transparent ist.
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Da steht ein Pferd. Der Reiter hat zwei oder drei Sättel liegen und möchte einfach wissen, welcher Sattel am besten auf sein Pferd passt bzw. welcher Sattel dahingehend verändert werden kann oder ob er mit diesen Sätteln vielleicht sogar seinem Pferd schadet.
Das Pferd wird ausgemessen und es kann direkt vor Ort eine Sattelüberprüfung erfolgen.
Das ist mit keinem anderen System so möglich und der Kunde kann es absolut nachvollziehen. Der Kunde kann sofort erkennen, ob er zum Beispiel einen neuen Sattel braucht oder einen Sattler, der ihm den Sattel polstert.
kieffer ist einer der ersten großen Sattelhersteller, der das System und die am Pferd festgestellten Messwerte interpretieren und den Sattel bereits in der Fertigung so vorbereiten kann, dass der Sattler vor Ort nur noch die Feinjustierung vornehmen muss. Halten Sie es für wünschenswert und sinnvoll, dass auch andere Hersteller sich mit dem Equiscan befassen?
Zunächst einmal möchte ich der Firma kieffer gratulieren, dass sie erkannt hat, dass in diesem Bereich etwas geschehen muss – für die Pferde, die Kunden und auch für den Fachhandel. Das Ganze muss transparenter werden. Es ist eine tolle Sache, weil der Fachhandel natürlich auch bei uns nachfragt, welcher Hersteller damit arbeitet. Es nützt nichts, wenn der Fachhandel das System einsetzt und der Sattler vor Ort im Fachgeschäft den Sattel entsprechend ändern kann. Das eigentliche Potenzial von Equiscan liegt genau darin, dass der Fachhändler die Daten an einen Hersteller schicken kann und sehen kann, wie der Hersteller damit umgeht. Es ist sehr gut, wenn die Firma kieffer den Sattel direkt im Produktionsablauf für den Fachhandel entsprechend konzipiert. Auf jeden Fall entsteht dem Fachhandel durch das System ein großer Mehrwert.
Equiscan erfasst den Pferderücken in seiner Komlexität ja sehr umfassend. Sind wirklich so viele Messpunkte bzw. Messwerte erforderlich, um zu einem guten Ergebnis zu kommen?
Daran haben wir lang experimentiert: „Wie viele Abstände?“, „Wie groß machen wir die Abstände der einzelnen Glieder?“, „Wie viele Querschnitte brauchen wir?“. Wir sind der Meinung, dass das Ergebnis jetzt sehr genau ist. Man könnte es auf die Hälfte der Messpunkte reduzieren, aber dann sehe das 3D-Abbild des Pferderückens nicht mehr so real aus. Und warum sollte man es ungenau machen, wenn es genau geht? Es ist ein unerheblich größerer Messaufwand, wenn ein paar Gelenke mehr verriegelt werden. Auch das Übertragen der 98 Zahlen von den Gelenken in eine dafür entworfene Liste dauert in Zusammenarbeit mit dem Kunden nur ca. 6 Minuten. Das ist ein Aufwand, der dem Pferd auf jeden Fall gerecht wird. Ich sehe es außerdem gar nicht so sehr als Aufwand, sondern als einen Mehrwert. Wir haben alles dokumentiert und können den Pferderücken wieder reproduzieren. Das ist ein ganz entscheidender Punkt, durch den wir dem Pferdebesitzer zeigen können, wie der Rücken seines Pferdes noch vor einem halben Jahr aussah und was sich inzwischen verändert hat. Der Pferdebesitzer sieht also selbst, wie das Pferd sich verändert hat. Das kann wiederum die Situation vor Ort für den Fachhändler oder für den Sattler entschärfen, denn der Kunde kann genau nachvollziehen, dass sich sein Pferd seit der letzten Messung tatsächlich verändert hat. Man kann es dem Pferdebesitzer auch gar nicht übel nehmen, wenn er glaubt, dass sich sein Pferd nicht verändert hätte, denn er sieht es schließlich ständig und bekommt die Veränderung meist gar nicht mit.
Wie oft sollte nachgemessen werden, um eklatante Veränderungen am Pferd feststellen zu können? Lässt sich aus der Abweichung in den Messwerten bereits ersehen, ob der Sattel angepasst werden sollte?
Es ist zu differenzieren, ob ich zum Beispiel ein Jungpferd im Wachstum habe, da Pferde bis zu 7 Jahren wachsen. Bei diesen ist es sicher sinnvoll, mindestens jährlich nachmessen zu lassen. Bei den älteren Pferden, unter immer ähnlichen Haltungs- und Nutzungsbedingungen, hält sich auch die Veränderung im Rahmen. Wenn das Pferd aber plötzlich sportlicher trainiert wird, dann ergeben sich daraus natürlich auch muskuläre Veränderungen.
Wie lange dauert es in etwa, bis der Kunde die Ergebnisse der Vermessung erhält?
Die Ergebnisse bekommt der Kunde sofort nach der Vermessung, allerdings ist zu diesem Zeitpunkt noch nichts dokumentiert. Der Dreh- und Angelpunkt vom Equiscan-System ist die Onlineplattform, zu welcher jeder Sattler einen eigenen Zugang hat. Dort sind die Daten seiner Kunden gespeichert und diese Daten sind dann auch für den jeweiligen Kunden des Sattlers zugängig. Außerdem kann der Sattler die Plattform auch als Archiv verwenden. Die gespeicherten Zahlenwerte können unter Umständen auch sehr hilfreich sein, wenn es z. B. um die Dokumentation für rechtliche Auseinandersetzungen geht.
Herr Rieser – vielen Dank für das interessante und informative Gespräch! (Das Interview führte Taulant Mestani)
Hier geht es zu EcuiScan.
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